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"Fisch-Psychologie"

    Ohne Zweifel: Titel und Thema sind ungewöhnlich. Aber wir haben hier nur einfach Erfahrungen notiert. Das Verhalten von Fischen zu beobachten und Schlussfolgerungen zu ziehen, reizt sehr.
    Im Frühjahr 2001 machten wir erste Erfahrungen, die wir zu Protokoll brachten. Es geschah im Zusammenhang mit dem Verbinden unserer bis dahin getrennten kleinen Teiche. Mit ziemlich aufregenden Arbeiten (Siehe hier) richteten wir zwischen den drei Teichen jeweils eine Passage ein. Die große an der Brücke von ca. 30 cm Breite und 20 cm Tiefe, (Siehe nachfolgendes Foto.) die kleine ca. 15 cm breit und 6 cm tief.

    Wie verhielten sich die Fische? Ohne Zweifel - grundsätzlich sehr vorsichtig. Hier unser Protokoll von damals:

"Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass die Fische bei kalten Wassertemperaturen (9 Grad und weniger) tief schwimmen und meist auf der Stelle stehen. Das heißt, sie kommen gar nicht in Versuchung, die Passage zu benutzen. Heute (24. April 2001) stieg das Thermometer auf 16 Grad, und wir holten die Wassertemperatur durch Belüftung auf 12 Grad. Das bedeutete, dass die Fische wieder lebendiger schwammen und höher kamen. Sie schwammen teilweise sogar in der Höhe (etwa 5 bis 10cm unter der Oberfläche), in der sie mühelos die Passage hätten nutzen können. Doch die Koi wie die Shubunkin schienen zwar die Stelle irgendwie in Augenschein zu nehmen, schwammen aber nicht hindurch. Anders die Goldfische. Sie waren schon vor Tagen vom ehemaligen Goldfisch-Teich in den Koi-Teich gewechselt. Anders auch die Moderlieschen. Sie stürmten alsbald im Schwarm durch die Passage. Anders auch der schwarze Schleierschwanz. Er verhält sich grundsätzlich einzelgängerisch und ist schon mehrmals hin und her gependelt.
Die Fragen, die mich beschäftigen, sind: 1. Werden die Koi und die Shubunkins eines Tages hindurchschwimmen? 2. Werden sie dann selbstverständlich hin und her schwimmen oder immer wieder vorsichtig zögern?"


    Wir notierten damals folgende Antworten:
"Zu eins: Sobald die Fische höher schwammen, nachdem die Wassertemperatur gestiegen war, probierten sie auch die Passage aus.

Zu zwei: Selbstverständlich ist ihnen das Hindurchschwimmen nach wie vor nicht. Oft kurven sie ab, bleiben also irgendwie bewusst im alten Revier, obwohl sie in der Höhe schwimmen, in der sie mühelos hindurchkämen. Fast scheint es, als müsse jedes Mal neu eine Entscheidung gefällt werden. Manchmal scheinen sie von vornherein entschlossen und schwimmen gemächlich auf die Passage zu und hindurch. Sozusagen im Sog des einen folgen dann oft noch weitere nach. Zu beobachten ist fast wie eine Tendenz, dass die vier Goldfische und der schwarze Schleierschwanz sich offenbar gern und also öfter im ehemaligen Goldfisch-Teich aufhalten, dem Becken, wo sie ursprünglich untergebracht waren. Die Koi hingegen und die Shubunkin geben sozusagen regelmäßig nur kurze Gastspiele im Goldfisch-Teich. Auffällt, dass der „Silberpfeil“, ein Koi, den Goldfisch-Teich zu meiden scheint. Manchmal ist er nur noch allein im Koi-Becken. Interessant war heute, dass er es doch einmal ausprobiert hatte, sich aber offenbar überhaupt nicht wohl fühlte. Er schwamm unruhig und hastig hin und her und alsbald das Wasser aufwirbelnd geradezu mit einem Satz durch die Passage zurück in den Koi-Teich.

Die kleine Passage vom Goldfisch-Teich hinüber zum Moderlieschen-Teich (auf dem Foto unten im Vordergrund) hat noch kein Fisch ausprobiert.
Die Feststellung in punkto kleine Passage traf ich gestern, am 29. April 2001. Heute, am 30. April, sieht das schon anders aus. Es ist nämlich sehr warm geworden, 25 Grad im Schatten, und das teilt sich über wärmere Wassertemperaturen offenbar alsbald den Fischen mit, denn sie schwimmen höher. Und da hat denn doch ein Koi, der „Bückling“ (etwa 15cm und so genannt wegen seiner hell-gold-rot-bräunlichen Färbung) mal kurz die kleine Passage ausprobiert, ist aber sehr schnell zurückgekehrt. Was für dessen Orientierungssinn spricht; denn irgendwie scheint er sich die Lage der Passage im Moderlieschen-Teich gemerkt zu haben. Sonst nämlich hat man den Eindruck, dass die Fische eher per Zufall in die Passage geraten. Da sind noch Beobachtungen nötig.
Resümee: Was die Fische und die Passagen betrifft, scheint sich das Verhalten der Tiere zu normalisieren. Die große Passage ist voll akzeptiert, obwohl sie auf unterschiedliche Weise durchschwommen wird. Meist geschieht es mit sehr schnellem Zug, wobei die Fische, unter der Brücke vorkommend, hastig und hektisch abtauchen, manchmal noch unruhig hin und her schwimmen. In der umgekehrten Richtung, also vom Goldfisch-Becken unter die Brücke, fegen sie oft los, als erwarte sie drüben irgendeine Sensation. Die andere Art ist, dass sie ganz gemütlich und gemächlich hindurchschwimmen, als sei es ganz und gar selbstverständlich.
Oft ist zu beobachten, dass sie als Schwarm hindurchschwimmen. Ein Fisch entschließt sich, zieht los, und andere lassen sich anstecken, schwimmen hinterher. Es macht absolut Spaß zuzuschauen."

    Soweit dsa Protokoll von damals. Inzwischen ist so etwas wie Normalität eingezogen. Offenbar sind die Fische in der Lage, veränderte Umstände in ihrem Teich nach einer Zeit des Sammelns von Erfahrungen sozusagen im Hirn zu speichern. Nur so ist es zu erklären, dass sie jetzt in der Regel ganz selbstverständlich hin und her schwimmen. Allerdings trifft das nicht auf die kleinere Passage zu. „Undine“, unser größter Koi, macht da noch immer einen Bogen. Alle anderen haben es schon einmal probiert.

    Was das Verhalten von Fischen betrifft machten wir 2001/2002 noch eine sehr markante, höchst bedauerliche Erfahrung. Hier das Protokoll:
"Das Fischsterben des Winters 2001/2002 beschäftigt uns sehr. Was hatte es für eine Ursache? Und woran lag es, dass ausgerechnet die großen Koi (immerhin so etwa 40 Zentimeter lang) verstorben sind?
Wie wirklich tragisch die Geschichte war, ist uns in dem Moment, als wir das Sterben entdeckten, gar nicht so bewusst geworden. Nun war damals noch immer ein elendes, nass-kaltes Wetter. Man blieb nicht gern im Freien. Das Eis war aber immerhin so durchsichtig geworden, dass man die toten Fische erkennen konnte, und dann so brüchig, dass man mit einiger Mühe zwar, aber schließlich doch an sie herankam. In stummer Verzweiflung holten wir unsere Lieblinge heraus. Einen nach dem anderen. Zuerst „Undine“, dann den „Goldbarren“, anschließend den „Silberpfeil“ und schließlich „Felix“.
Die Fische konnten uns nicht sagen, was die Ursache ihres Sterbens gewesen war. Und in mir war innerlich wieder einmal etwas zerbrochen. Wir sind ja seit über einem Jahrzehnt trainiert in der Verarbeitung unliebsamer äußerer Ereignisse; denn nicht nur im Garten gab es und gibt es Probleme, die einem an die Seele gehen. Jetzt, als wir die toten Fische entsorgten, beschloss ich endgültig und unwiderruflich, nie mehr auch nur irgendeine Strähne des Herzens an irgendein Tier zu hängen. Das bringt nur Kummer.
Es ist schon Elend genug, wenn wir nun im Sommer am Teich sitzen, und nicht mehr die gewohnte Fisch-Meute in gewohnter Weise sich am Teichrand versammelt und um Futter bettelt. Früher kamen sie meist unter der Brücke hervor gefegt, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, und schauten zu uns nach draußen. Mag nicht ganz stimmen, aber jedenfalls waren sie gegen 17 Uhr meist alle versammelt. Jetzt hingegen - fehlt ihnen ein Leittier? - finden sich einige Fische zwar ein, aber sie nehmen keine konkrete Beziehung zu uns auf. Und der „Bückling“, der einzige Koi, der überlebte, straft uns ohnehin mit Nichtachtung. Er spaziert meist irgendwo in der Tiefe herum, hat jedenfalls keinerlei Ehrgeiz, das Kommando über den Schwarm aus noch vier Goldfischen, drei Shubunkins und einem Schleierschwanz zu übernehmen. (Die drei neuen kleinen Koi, die wir gekauft haben, sind noch immer im Moderlieschen-Teich verschwunden.)
Natürlich kommen in solchen Momenten, wenn wir am Teich sitzen, bestimmte Fragen immer wieder hoch. Warum starben die Koi? Wir haben uns mit einem Zoologen unterhalten. Von ihm kam ein Hinweis, der uns schlüssig scheint. Er sagte, was wir an sich ja auch schon wussten, dass die Fische im Winter ihre Ruhe brauchen. Werden sie aufgestört, kommen sie hoch unters Eis und frieren unter Umständen ein!
Eben dies ist offenbar geschehen. Denn in diesem Winter wurde auf der Straße vor unserem Eck-Grundstück kaum sechs Meter von unseren Teichen entfernt mehrere Wochen lang für eine Abwasserleitung gebaggert, dann der Boden festgerammt und schließlich die Pflastersteine mit einer Ramme wieder festgeklopft. Diese wochenlange ständige enorme Erschütterung des Bodens (Höhepunkt das Abwerfen von Betonplatten gegenüber im Wald, was wie ein Erdbeben den Grund beben ließ) hat die Fische offenbar so aufgestört, dass sie unters Eis zogen und dort verendeten... Eine Erklärung, kein Trost."

    Soweit das Protokoll von damals.
    Fast ein Jahrzehnt später machten wir zum Thema eine weitere bittere Erfahrung. Am 9. Mai 2009 gelang es einem Graureiher, einige unserer Goldfische zu erbeuten. Das muss bei den Fischen, die ihm zu entkommen vermochten, einen tief sitzenden Schock ausgelöst haben. Noch am 28. Mai hatten sie das Ereignis nicht völlig überwunden. Sie standen grundsätzlich misstrauisch unter den Blättern der Seerose und kamen nur ganz zögerlich hervor, wenn wir zum Füttern am Teich saßen. Traten wir außerhalb der Futterzeit an den Teich, verzogen sie sich sofort in die Tiefe oder schwammen hektisch Zickzack-Kurs. Das heißt, die Fische hatten ihr Verhalten grundsätzlich verändert. Bislang kamen sie bettelnd zum Ufer bzw. schwammen bei schönem Wetter arglos an der Wasseroberfläche.
    So viel steht fest: Fische sind in der Lage, Gefahr zu registrieren und zu reagieren. Und sie speichern das Erlebte und verhalten sich für geraume Zeit angemessen. Und was die "Passagen" betrifft: Die inzwischen ziemlich zahlreichen Fische schwimmen ganz selbstverständlich hindurch. Es kann allerdings geschehen, dass sie abrupt kehrt machen, wenn man unmittelar am Teich steht. Das heißt, sie wittern schnell irgendwie Gefahr.